"Was sagt die Bibel?"

Auf der Frühjahrstagung hat die Landessynode mit großer Mehrheit die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften beschlossen. Dies war zwar schon seit 2003 möglich, aber nur „im Rahmen der Seelsorge", also sozusagen hinter zugezogenen Vorhängen. Viele empfanden das als eine unerträgliche Doppelmoral. Gleichgeschlechtliche Paare können nun – wie Heterosexuelle – in einem öffentlichen Gottesdienst gesegnet werden und dies wird auch in die Kirchenbücher eingetragen.

Viele sind nach dieser klaren Entscheidung froh – andere tun sich schwer damit, einzelne ziehen gar die bittere Konsequenz und treten aus.

Was sagt die Bibel?
 

Die Bibel aufschlagen und 1:1 Antworten auf aktuelle Fragen finden – so einfach geht es nicht. Die Frage muss lauten: Wie sind Liebesbeziehungen heute so zu gestalten, dass sie dem Doppelgebot der Liebe entsprechen (Lk 10,27)? Dies gilt aber in gleicher Weise für homo- wie heterosexuelle Lebensformen.

„Er schuf sie als Mann und Frau ..."
 

Die bürgerliche Ehe entstand erst in der Neuzeit und ist der Bibel fremd. Wer mit der Schöpfungsgeschichte  argumentiert, muss zugestehen: Auch homosexuell empfindende Menschen möchten sich – so wie sie sind – als Teil der guten Schöpfung Gottes verstehen. Wer bin ich, dies einem oder einer anderen abzusprechen?

Gottes guter Segen
 

Die Ehe ist nach evangelischem Verständnis „ein weltlich Ding" (M. Luther), die Trauung ein „Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung". Einem vor dem Standesamt geschlossenen Lebensbündnis soll im Gottesdienst  Gottes Segen zugesprochen werden, Gottes begleitende Lebenskraft für diese Menschen erbeten werden.

Beeindruckt hat mich im Diskussionsprozess der Synode, wie achtsam hier um die kontroversen Positionen gerungen wurde. Ich denke, angesichts einer zunehmenden Vielfalt werden wir uns in Zukunft darin üben müssen: das Liebesgebot auch selbst zu befolgen gerade im Hinblick auf den ganz Anderen neben mir.

Bevor wir uns abwenden – sprechen wir miteinander!                  

Susanne Illgner